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Karte von Guyana

(7) Surama

In den Ausläufern der regenwaldbedeckten Pakaraima-Berge Zentralguyanas verstecken sich mehrere kleine Savannentäler. An solch einem Ort liegt das Dorf unserer Makushi-Freunde: Surama. Der Standort bietet zahlreiche Vorteile. Im offenen Grasland der Savanne ist das Klima angenehmer und gesünder als mitten im feuchtheißen Wald. Andererseits ist dieser nur einen kurzen Fußmarsch entfernt und bietet fast alles, was zum täglichen Leben benötigt wird: Platz zum Anlegen der Waldgärten, Früchte, Baumaterial, Heilpflanzen, Wild und vieles mehr.
Niemand weiß so ganz genau, wie lange das Dorf schon existiert, zumal die Makushi in früheren Zeiten weniger sesshaft waren als heute. Erstmals erwähnt wird es auf einer Karte des Forschers Sir Everard Im Thurn aus dem Jahr 1883. Allerdings bezieht sich diese auf eine Reise, die schon 6 Jahre früher, also 1877, erfolgte.
Spätere Hinweise auf Surama finden sich in den Berichten von Rinderzüchtern, die ihre Tiere auf dem so genannten „Kuhpfad“ von der Savanne im Süden durch den Regenwald bis zur Hauptstadt Georgetown an der Küste trieben. Diese alte Route wurde inzwischen zu einer Schotterstraße erweitert und führt in etwa 10 Kilometer Entfernung am Dorf vorbei.
Mitte der 1930er Jahre wurde Surama aufgrund einer Epidemie aufgegeben. Erst 1973 kehrten zwei Brüder mit ihren Frauen in den versteckt liegenden Talkessel zurück. Danach dauerte es nicht lange, bis diesem Vorbild weitere Familien aus den umliegenden Dörfern folgten. Im Jahr 2000 hatte Surama bereits wieder 175 Einwohner, die sich auf 34 Haushalte verteilten. Gegenwärtig leben in Surama etwa 270 Menschen. Die Bewohner des Dorfes sind politisch sehr aktiv. Auf der einen Seite versuchen sie, ihre Traditionen zu bewahren, auf der anderen haben sie aber auch erkannt, dass die Zeiten sich rapide ändern. Ein großes Problem vieler Dörfer besteht in der Abwanderung der jungen Generation mit dem Ziel, etwas Geld zu verdienen. Das ist im Dorf meist nicht möglich. Der Stammesrat von Surama hat dies schon frühzeitig erkannt und bemüht sich, dem entgegenzuwirken. So waren es unter anderem viele Makushi aus Surama, die bei der Einrichtung des in Dorfnähe gelegenen Schutzgebietes Iwokrama mitgearbeitet haben. 1996 gelang es, aus dem UNICEF-Amazonas-Programm Mittel für die Anlage eines gemeinsamen Maniokfeldes nebst Verarbeitungsstelle zu erhalten. Der auf diese Weise zusätzlich zum Eigenbedarf gewonnene Maniok wird verkauft und sichert vor allem den Frauen ein unabhängiges Einkommen.
Als es mit der Einführung von Dorfschulen Mode wurde, die Kinder in Schuluniformen dorthin zu schicken, waren es wieder die Frauen in Surama, die sich als erste Nähmaschinen besorgten und die Kleidung nun auch für umliegende Dörfer anfertigten.
Anfangs waren die Indianer etwas verwundert, dass überwiegend Europäer und Amerikaner wochenlange Reisen in Kauf nahmen, nur um einige seltene Vögel oder Pflanzen im Regenwald zu sehen. Inzwischen ist der Ökotourismus ein fester Bestandteil des Dorfes. Zwar sind glücklicherweise aufgrund der isolierten Lage auch zukünftig keine Massen an Besuchern zu erwarten, trotzdem kommen aber jedes Jahr bereits genügend, um eine kleine Ecolodge zu unterhalten. Etwa 60 Prozent der Dorfeinnahmen stammen mittlerweile aus dem Ökotourismus, und es gibt kaum jemanden im Dorf der nicht direkt oder indirekt davon profitiert.
Um den Regenwald nahe des Dorfes für Besucher attraktiv zu halten, wurde Mitte der 1990er Jahre im Stammesrat der Beschluss gefasst, den kommerziellen Tierfang (besonders von Vögeln), das Fischen mit Gift sowie die Jagd auf gefährdete Arten wie Jaguar, Otter und den Riesenfisch Arapaima im Stammesland zu verbieten. Im Jahr 2003 schlossen wir mit Surama eine Vereinbarung, gemeinsam an Projekten zur nachhaltigen Nutzung des Waldes zu arbeiten. Wir unterstützen zum Beispiel die Bewahrung von Sprache, Tradition und ethnobotanischem Wissen. Von 2006 bis 2009 haben wir gemeinsam mit dem Dorf ein Lehrausbildungszentrum für Tischlerei und Holzbearbeitung aufgebaut. Aktuell unterstützen wir die Einrichtung eines rund 4.200 Hektar umfassenden, stammeseigenen Regenwaldschutzgebiets.
Mit seinen progressiven Ideen ist Surama heute zu einem Vorbild für viele der benachbarten Dörfer geworden. Weitere Informationen finden Sie hier.

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